Marktmacht

Die Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. 1999 gab es noch acht große Handelsketten in Deutschland, die gemeinsam über einen Marktanteil von 70 Prozent verfügten. Heute teilen sich die fünf führenden Supermarktketten Edeka, Rewe, Aldi, Lidl und Metro rund 90 Prozent des Marktes. Dabei beträgt der Marktanteil der Discounter am gesamten Lebensmitteleinzelhandel insgesamt 45 Prozent. Mittelfristig deutet vieles darauf hin, dass vier Konzerne den Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland unter sich aufteilen werden.

Gemessen am Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel ist Edeka im Jahr 2009 Marktführer, gefolgt von der Rewe-Gruppe und der Schwarz-Gruppe. Aldi Süd rangiert auf Platz vier und die Metro-Gruppe auf Platz fünf. Die Supermarktketten stellen das „Nadelöhr“ im Lebensmittelhandel dar („Türsteher“). An ihnen kommt kein Lieferant vorbei. Auf dem gesättigten deutschen Markt können Marktanteile nur noch durch die Verdrängung von Mitbewerbern gewonnen werden, denn der Kuchen wird nicht größer, aber alle wollen ein größeres Stück davon.

Um zusätzliche Marktanteile zu gewinnen, drücken die Supermarktketten die Lieferanten und Erzeuger im Preis und diktieren ihnen unfaire Konditionen in die Verträge. Unfaire Einkaufspraktiken umfassen beispielsweise:

  • Rückwirkende Änderungen von Konditionen, d.h. der Lieferant muss rückwirkend Geldbeträge in fünf- oder sechsstelliger Höhe bezahlen, ohne dafür eine Gegenleistung zu erhalten.
  • Listungsgebühren, d.h. die Lieferanten müssen Gebühren bezahlen, damit sie überhaupt ihre Produkte liefern dürfen.
  • Regalmieten, d.h. Lieferanten müssen für gute Regalplätze Geld auf den Tisch legen.
  • Androhung von Auslistung, wenn Lieferanten nicht auf die Bedingungen der Supermarktketten eingehen.

Eine Auslistung bei Nichterfüllung der Preis- und Lieferbedingungen kann schnell das Aus für den Lieferanten oder den Erzeuger hier und in den Entwicklungsländern bedeuten.