Blumen und Pflanzen

Die Blumenindustrie ist eine globalisierte Industrie. Sie verlagert sich zunehmend in Länder, die die klimatisch und preislich die günstigsten Verhältnisse bieten. So wandern seit den 1970er Jahren immer mehr Blumenbetriebe von Europa und Nordamerika nach Afrika und Lateinamerika. Deutschland ist der größte Markt für Schnittblumen innerhalb der EU. Da die heimische Produktion nur 20 Prozent der Nachfrage deckt werden große Mengen Schnittblumen importiert. 2007 waren das Schnittblumen im Wert von 784 Mio. €.

10 Prozent der importierten Schnittblumen werden direkt aus Entwicklungsländern eingeführt. Die beiden wichtigsten Zulieferländer außerhalb der EU sind Ecuador und Kenia. Darüber hinaus erreichen Schnittblumen aus diesen Ländern den deutschen Markt über die Blumenauktion in den Niederlanden. Laut dem Bundesverband der Importeure und Großhändler (BGI) kommt im Winter jede zweite Schnittblume aus einem Entwicklungsland. Für Blumen gibt es, im Unterschied zu Lebensmitteln, in Deutschland keine Pflicht ihre Herkunft anzugeben.

Arbeitsbedingungen auf Blumenplantagen in Entwicklungsländern

In der Blumenindustrie kommt es zu Arbeitsrechtsverletzungen wie auch in anderen, frauendominierten und globalisierten Industriesektoren. Die Arbeiter/innen haben keine Gewerkschaftsfreiheit. Frauen sind schlechter gestellt. Immer wieder gibt es Berichte über sexuelle Belästigung von Frauen am Arbeitsplatz vor allem durch Vorgesetzte. Obwohl die Arbeiterinnen und Arbeiter meist mehrere Jahre bei einer Firma arbeiten, haben sie keine Festverträge. Dadurch sparen die Firmen die Beiträge zur Sozialversicherung, den bezahlten Mutterschutz, Krankentage und Urlaub. Die Löhne sind so niedrig, dass sie nicht ausreichen, um die Grundbedürfnisse einer Familie zu sichern. Immer wieder berichten Arbeiterinnen und Arbeiter, dass sie ihre Überstunden nicht bezahlt bekommen. Einige von ihnen müssen vor dem Valentinstag und vor dem Muttertag bis zu 18 Stunden täglich arbeiten.

Zusätzlich besteht in der industriellen Blumenproduktion ein hohes Gesundheitsrisiko für die Arbeiterinnen und Arbeiter. Denn zur Aufzucht der Blumen in Monokultur werden hoch giftige Pestizide verwendet. Oft bekommen die Pestizidsprüher keine ausreichende Schutzkleidung von ihren Arbeitgebern bereit gestellt. Die Gewächshausarbeiterinnen müssen häufig in den Beeten arbeiten, wenn der Pestiziddunst noch in der Luft und auf den Blättern der Blumen hängt.

Schnittblumen in Supermärkten

Der Anteil der Supermärkte am Blumenhandel liegt in Deutschland bei rund 15 Prozent. Seit 2000 haben Supermärkte ihren Absatz kontinuierlich ausbauen können. Führend ist Aldi mit einem Marktanteil von 5,3 Prozent, gefolgt von der Edeka-Gruppe mit 2,8 Prozent, Rewe mit 2,2 Prozent, Kaisers Tengelmann mit 1,1 Prozent und Lidl mit 1,0 Prozent (Stand 2006). Überwiegend beziehen die Supermärkte ihre Schnittblumen direkt vom Produzenten. Die Metro-Gruppe kauft dagegen Blumen bei einem niederländischen Importeur. Die Schnittblumen kommen vor allem aus den Niederlanden und aus Kenia. Einige Supermärkte (Kaisers/Tengelmann, Edeka-Gruppe) kaufen direkt von der größten kenianischen Rosenfarm „Sher Karuturi“.

Darüber hinaus haben Rewe, Penny, Toom Fairfleurs – von FLO-Cert zertifizierte Rosen – im Sortiment, die ebenfalls aus Kenia importiert werden. Kaisers/Tengelmann und Edeka führen Fairfleurs nur in ihren Filialen in der Region München. Andere Unternehmen geben keine Auskunft über die Herkunft ihrer Blumen.

Arbeitsbedingungen im kenianischen Blumensektor

Die Arbeitsbedingungen im kenianischen Blumensektor sind gekennzeichnet durch niedrige Löhne, unzureichende Sanitäranlagen, regelmäßige und nicht immer bezahlte Überstunden, Gesundheitsgefährdung durch Pestizide und Diskriminierung von Frauen. Zwar gibt es einen Tarifvertrag für den Plantagensektor, aber die Arbeiterinnen und Arbeiter beklagen, dass die darin vereinbarten Löhne nicht ausreichen, um die Kosten für die Grundbedürfnisse einer Familie zu decken. Der geringe Lohn kann auch kaum durch Überstunden aufgebessert werden, denn der verlangte Akkord ist meist so hoch, dass die Arbeiterinnen ihn nicht in der Regelarbeitszeit bewältigen und unbezahlte Überstunden leisten. Arbeiter/innen müssen beispielsweise zwischen 1.500 und 3.000 Stiele pro Tag verpacken. Sie arbeiten von 7:00 Uhr bis 18:00 Uhr. Ungeplante Überstunden fallen auch oft wegen kurzfristiger Bestellungen an.

Die Arbeiterinnen und Arbeiter sind hoch giftigen Pestiziden ausgesetzt und dagegen oft nicht ausreichend geschützt. Unzureichende Schutzkleidung und die Nicht-Einhaltung von Wiederbetretungsfristen nach den Pestizidanwendungen stellen ein hohes Gesundheitsrisiko für die Beschäftigten dar. Frauen stellen die Mehrheit der Beschäftigten. Sie sind aber in höheren Positionen prozentual unterrepräsentiert und werden seltener befördert als ihre männlichen Kollegen. Nichtregierungsorganisationen berichten von häufigen Fällen sexueller Belästigung.

Sher Karuturi

Die größte Rosenfarm Kenias liegt am Naivasha-See in Kenia. Sher beschäftigt rund 6.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf 188 Hektar. Zwei Drittel der Beschäftigten sind Frauen. Sher bietet auf den ersten Blick gute Arbeitsbedingungen. Die Farm betreibt für ihre Arbeiterinnen und Arbeiter ein eigenes Krankenhaus sowie einen Kindergarten und Schulen für deren Kinder. Die Farm erkennt die Sektorgewerkschaft Kenya Plantation and Agricultural Workers’ Union an. Der Organisationsgrad der Arbeiterinnen und Arbeiter liegt bei rund 80 Prozent.

Die Farm trägt die Umwelt- und Sozialsiegel des Holländischen Zertifizierers MPS. Sher zahlt die üblichen niedrigen Löhne. Im Dezember 2006 erhielt ein fest angestellter Arbeiter 5.291 KSH monatlich, was 56 € entsprach. Dieser Betrag ist auch in Kenia zu gering, um die Grundbedürfnisse eine Familie zu erfüllen. The International Federation for Human Rights and the Kenya Human Rights Commission berichten, dass es relativ häufig zu Entlassungen kommt, weil Arbeiterinnen und Arbeiter den Akkord nicht erfüllen.

Für einen Teil der Arbeiterinnen und Arbeiter bietet Sher Unterkünfte in Größe von 3 x 3 Meter an. Diese Räume werden zum Teil von zwei oder drei Familien geteilt. Die Familien haben kostenlosen Zugang zu Wasser und Strom. Allerdings ist die Nutzung von Strom auf den Betrieb von Beleuchtung, Radios und Fernsehgeräten beschränkt. Elektroherde dürfen beispielsweise nicht angeschlossen werden. Die Firma kontrolliert diese Regel durch unangemeldete abendliche Besuche.

Die Supermarktinitiative fordert:

  • Die Herkunft der in Supermärkten angebotenen Blumen ist bisher für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht nachvollziehbar. Die Supermarktinitiative fordert daher den Einzelhandel auf, sich freiwillig zur Kennzeichnung der Herkunft der Blumen zu verpflichten.
  • Kurzfristige Bestellungen haben für die Beschäftigten auf den Plantagen unangekündigte Überstunden zur Folge. Die Supermarktinitiative fordert daher den Einzelhandel auf Blumeneinkäufe mittelfristig zu planen.
  • Hungerlöhne sind eines der Hauptprobleme der Beschäftigten in Kenia. Die Blumenbetriebe können ihre Arbeiterinnen und Arbeitern besser bezahlen, wenn sie von ihren Großkunden höhere Preise für die Waren bekommen. Die Supermarktinitiative fordert daher den Einzelhandel auf, keinen Preisdruck auf die Blumenproduzenten auszuüben.
  • Die Supermarktinitiative begrüßt, dass bereits einige Supermärkte Blumen des fairen Handels im Sortiment haben. Der Anteil dieser zertifizierten Blumen sollte kontinuierlich erhöht werden.

Quellen:
AIPH 2008: International Statistics Flowers and Plants 2008.
CBI 2007: The Cut Flowers can Foliage Market in Germany, November 2007.
International Federation for Human Rights/Kenya Human Rights Commission 2008: Economic Development or Human Rights? Assessing the Impact of Kenya’s Trade and Investment Policies and Agreements on Human Rights, October 2008.
Kenya Women Workers Organization 2008: Working Conditions in the Horticulture and Floriculture Industry in Kenya.

http://www.bgi-ev.com

http://www.karuturi.com/media_centre.html