Discounter beuten ArbeiterInnen aus – Öffentliches Protestnähen vor dem Bundeskanzleramt

„Frau Merkel, handeln Sie!“

Aus Anlass der fairen Woche fordert die Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign) von der Bundesregierung: Fairer Handel reicht nicht. Der Staat muss auch sicherstellen, dass für weltweit handelnde Unternehmen endlich gesetzlich verbindliche Sozialstandards verpflichtend werden.

Berlin, Mittwoch, 16. September 2009, um 11.00 Uhr

Die Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) überreicht der Bundeskanzlerin über 1.000 Protestpostkarten mit den Forderungen kritischer KonsumentInnen an die Politik. Soziale und ökologische Verantwortung darf sich nicht nur auf den fairen Handel beschränken – sein Anteil stellt bisher nur 0,2 Prozent des gesamten Handels dar -, sondern muss für alle Unternehmen gelten. Die Bundesregierung muss endlich Unternehmen durch gesetzliche Regelungen verpflichten, soziale Mindeststandards in der gesamten Lieferkette umzusetzen. Dies gilt für die Produktion in Entwicklungsländern, aber auch für den Verkauf bei uns.

Vor dem Bundeskanzleramt werden „ArbeiterInnen“ auf Nähmaschinen die unterschriebenen Protestpostkarten zusammennähen und Großpuppen , darunter ein „Konzernmonster“, werden die Näherinnen überwachen. Unter dem Motto „Discounter lassen überwachen – Es ist Zeit, Discounter zu überwachen!“ hat die Kampagne Unterschriften auf Protestpostkarten gesammelt. „Frau Merkel handeln Sie!“ fordern die bundesweit anreisenden Aktivisten.

Gisela Burckhardt von der CCC:„Die Finanzkrise hat uns gezeigt, was passiert, wenn der Staat nicht regulierend eingreift. Statt freiwilliger Selbstverpflichtungen bedarf es gesetzlich verbindlicher Regeln für weltweit agierende Unternehmen.“ Berndt Hinzmann von der CCC meint: „KonsumentInnen wollen Produkte, bei deren Herstellung Sozialstandards eingehalten und die Würde des Menschen nicht mit Füßen getreten wird.“

Dass Politik nicht länger auf Freiwilligkeit setzen darf, unterstreichen auch die internationale Studie „Cashing in – Kassensturz“ und die Untersuchung „Wer bezahlt unsere Kleidung bei Lidl und KiK?“ Die Studien in Sri Lanka, Indien, Bangladesh und Thailand haben ergeben: Mehr als 90 Arbeitsstunden die Woche, unbezahlte Überstunden, Hungerlöhne und die Unterdrückung jeglicher gewerkschaftlicher Aktivitäten. Es sind gerade die Einkaufspraktiken von Discountern, die Sozialstandards in den Zulieferfabriken unmöglich machen. „Arbeitsrechtsverletzungen sind Alltag in den weltweiten Zulieferfabriken von Aldi, Lidl und KiK“, so Sandra Dusch Silva von der CCC.

Die CCC ist ein Netzwerk von weltweit 300 Partnerorganisationen und in zwölf europäischen Ländern vertreten. In Deutschland gehören über 20 Organisationen zur Kampagne, darunter ver.di, das SÜDWIND -Institut für Ökonomie und Ökumene, INKOTA, Netz Bangladesch, TERRE DES FEMMES und die Christliche Initiative Romero. Ziel der Kampagne ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der weltweiten Textil- und Bekleidungsindustrie.