Kartellamt untersucht Machtmissbrauch bei Edeka (LZ vom 29. April 2009)

LZ|NET/mur. Das Bundeskartellamt hat am Mittwochmorgen die Zentrale der Edeka-Gruppe in Hamburg durchsucht. Das Amt ermittelt wegen des Verdachts des Machtmissbrauchs (Paragraph 20 GWB). Edeka wird vorgeworfen, seine Lieferantennach der genehmigten Übernahme von Plus mit sachlich nicht gerechtfertigten Forderungen konfrontiert zu haben.

Im Februar hatte sich der Markenverband mit einem entsprechenden Beschwerdebrief an das Bundeskartellamt gewandt. Denn nach der Übernahme von Plus waren die schlimmsten Befürchtungen der Industrie wahr geworden: Nachdem die Lieferanten dem Edeka-Vorstand ihre “historischen” Plus-Konditionen offen legen mussten, wurden sie mit extrem hohen Forderungen konfrontiert. Neben dem klassischen Hochzeitsbonus kreierte Edeka einen Distributions-, Partnerschafts- und Synergiebonus. Und was die Hersteller besonders ärgerte: Die neuen Konditionen sollten teilweise rückwirkend gelten.

Laut Markenverband hatten die nur mündlich erhobenen Forderungen in vielen Fällen ein Volumen von teilweise mehr als 10 Prozent des gesamten mit der Edeka-Gruppe getätigten Umsatzes. Allein der so genannte Partnerschaftsbonus – gemeint ist eine Einmalzahlung für den anstehenden Umbau der Plus-Filialen – beläuft sich je nach Lieferant auf mehrere Hunderttausend Euro.

Bei Edeka hieß es dazu, es gelte das Prinzip von Leistung und Gegenleistung und davon werde nicht abgerückt. Edeka-Warenvorstand Gert Schambach rechtfertigt die neuen Konditionen damit, dass die Lieferanten durch die Plus-Übernahme eine sehr viel stärkere Präsenz bekämen.

Gerichtlich untersagt wurde Edeka bereits die einseitige Verlängerung der Zahlungsziele. Edeka hatte die im Durchschnitt 10 bis 20 Tage längeren Zahlungsziele von Plus auch für sich selbst einfordert.